B1- und B2-Normen im Maschinenbau sicher unterscheiden

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Warum die Unterscheidung zwischen B1- und B2-Normen wichtig ist

Im Maschinenbau bilden B-Normen die Grundlage für funktionale Sicherheit. Sie treffen sicherheitstechnische Aussagen, die für mehrere Maschinenarten gelten. Die korrekte Einordnung als B1- oder B2-Norm entscheidet jedoch darüber, welche Anforderungen an Konstruktion und Dokumentation gestellt werden. Eine falsche Zuordnung kann zu Sicherheitslücken oder unnötigem Aufwand führen.

B1- und B2-Normen ergänzen sich, regeln jedoch unterschiedliche Aspekte der Sicherheit. Während B1-Normen übergeordnete Sicherheitsaspekte festlegen, definieren B2-Normen konkrete Sicherheitseinrichtungen. Diese Unterscheidung ist insbesondere dann relevant, wenn keine produktspezifische C-Norm existiert.

Regelungsgegenstand: Was B1- und B2-Normen voneinander trennt

Der zentrale Unterschied zwischen B1- und B2-Normen liegt im Regelungsgegenstand. Diese Differenzierung lässt sich anhand folgender Merkmale verdeutlichen:

  • B1-Normen legen übergeordnete Sicherheitsaspekte fest. Sie definieren Grenz- und Richtwerte, die für die Sicherheit relevant sind. Typische Beispiele sind:
    • Sicherheitsabstände
    • Oberflächentemperaturen
    • Lärmgrenzwerte
    • Vermeidung von unerwartetem Anlauf
  • B2-Normen regeln konkrete Sicherheitseinrichtungen. Sie beschreiben Bau- und Anforderungsmerkmale von Schutzeinrichtungen. Typische Beispiele sind:
    • Not-Halt-Einrichtungen
    • Zweihandschaltungen
    • Verriegelungen
    • Lichtschranken
    • Trennende Schutzeinrichtungen

Zusammengefasst: B1-Normen beantworten die Frage „Was muss erreicht werden?“, während B2-Normen die Frage „Womit wird es erreicht?“ klären.

Konkrete Beispiele für B1- und B2-Normen

Die folgende Übersicht veranschaulicht die Einordnung anhand gängiger Normen:

  • B1-Normen (Sicherheitsaspekte):
    • EN ISO 13849-1/-2: Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen
    • EN ISO 13855: Anordnung von Schutzeinrichtungen (Sicherheitsabstände)
    • EN 1037: Vermeiden von unerwartetem Anlauf
  • B2-Normen (Schutzeinrichtungen):
    • EN ISO 13851: Zweihandschaltungen
    • DIN EN ISO 14120: Feststehende trennende Schutzeinrichtungen
    • EN 953: Feststehende trennende Schutzeinrichtungen

Hierarchie der Normentypen: Wo B1- und B2-Normen stehen

Die Anwendung von B1- und B2-Normen folgt einer klaren Hierarchie. Diese ist entscheidend, um Prioritäten bei der Umsetzung von Sicherheitsanforderungen zu setzen:

  1. Typ A-Normen (Sicherheitsgrundnormen) wie die EN ISO 12100 legen grundlegende Prinzipien der Sicherheit fest. Sie bilden die Basis für alle weiteren Normen.
  2. Typ B-Normen (Sicherheitsfachgrundnormen) kommen ergänzend zum Einsatz, wenn keine produktspezifische Norm existiert. Sie unterteilen sich in B1- und B2-Normen.
  3. Typ C-Normen (Produktnormen) haben den höchsten Vorrang. Sie sind für eine bestimmte Maschine oder Maschinengruppe verbindlich und gehen B-Normen vor.

Für Konstrukteure bedeutet dies: Zuerst ist zu prüfen, ob eine C-Norm für die betreffende Maschine existiert. Nur wenn dies nicht der Fall ist, werden B1- und B2-Normen herangezogen. Dabei sind B1-Normen vorrangig zu berücksichtigen, da sie die grundlegenden Sicherheitsaspekte definieren, auf denen B2-Normen aufbauen.

Praktische Anwendung: B1- und B2-Normen im Entwicklungsprozess

Die Unterscheidung zwischen B1- und B2-Normen hat direkte Auswirkungen auf den Entwicklungsprozess. Folgende Schritte helfen, die Normen korrekt anzuwenden:

  • Risikobeurteilung durchführen: Identifizieren Sie die relevanten Gefährdungen und leiten Sie daraus die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ab.
  • Normenrecherche: Prüfen Sie, ob eine C-Norm für die Maschine existiert. Falls nicht, ermitteln Sie die einschlägigen B1- und B2-Normen.
  • B1-Normen anwenden: Setzen Sie die übergeordneten Sicherheitsaspekte wie Grenzwerte und Abstände um.
  • B2-Normen auswählen: Wählen Sie die passenden Sicherheitseinrichtungen aus und konstruieren Sie diese gemäß den Anforderungen der B2-Normen.
  • Dokumentation: Halten Sie die Anwendung der Normen in der technischen Dokumentation fest. Dies umfasst sowohl die Auswahl der Normen als auch die konkrete Umsetzung der Anforderungen.

Ein typisches Beispiel: Bei der Konstruktion einer Maschine mit beweglichen Teilen ist zunächst die EN ISO 13855 (B1-Norm) heranzuziehen, um die erforderlichen Sicherheitsabstände zu bestimmen. Anschließend wird eine Lichtschranke gemäß EN ISO 13851 (B2-Norm) ausgewählt und konstruiert, um diese Abstände zu überwachen.

Fazit: B1- und B2-Normen gezielt einsetzen

Die Unterscheidung zwischen B1- und B2-Normen ist kein theoretisches Konstrukt, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Sicherheit und Konformität von Maschinen. Konstrukteure müssen diese Differenzierung verstehen, um Sicherheitsanforderungen effizient und korrekt umzusetzen.

Der Schlüssel liegt darin, B1-Normen für die Festlegung von Grenzwerten und grundlegenden Sicherheitsaspekten zu nutzen, während B2-Normen die konkrete Ausführung von Schutzeinrichtungen regeln. Durch die Beachtung der Normenhierarchie und eine strukturierte Vorgehensweise im Entwicklungsprozess lassen sich sowohl Sicherheitslücken als auch unnötiger Aufwand vermeiden.

Prüfen Sie bei jedem Projekt zunächst, ob eine C-Norm existiert. Falls nicht, arbeiten Sie sich von den grundlegenden B1-Normen zu den spezifischen B2-Normen vor. Dokumentieren Sie diesen Prozess sorgfältig, um die Konformität nachweisen zu können.

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